Street Scene for the Last Mad Soprano

For soprano with computer generated quadraphonic  sound, text and music by William Osborne

26. Juni 2022, 18:00, Konzertsaal, HfM Trossingen
mit anschließender Fragerunde

Die verrückte Sopranistin lebt auf der Straße; aber sie hat nicht aufgegeben! Ein großer Auftritt an der Oper steht ihr bevor. Aber es fällt ihr nichts ein, was sie singen könnte. So schmückt sie ihre Welt mit Opernpartituren, grandiosen Schwanengesängen und wilden Eskapaden auf ihrer Posaune. Ihre Vorbereitungen für ihren Auftritt lassen erkennen, dass die Brutalität der Straße die Grenzlinie zwischen ihrem Leben und der Oper verschwimmen lässt.

In Mittelpunkt von William Osbornes “Street Scene” steht die stereotypische Darstellung von Frauen in der Oper, die ein Ausdruck von Gewalt gegen Frauen ist. Die Essenz des Stückes zeigt, dass eine kulturelle Identität  - auch für Frauen - notwendig für das menschliche Überleben notwendig ist und veranschaulicht die Veränderungen, die eintreten, wenn Frauen den ihnen zustehenden Platz in der Welt der Kunst einnehmen.

 

Abbie Conants Lebensgeschichte inspirierte William Osborne zu “Street Scene”. 13 Jahre lang blies sie als eine der Weltbesten an der Posaune bei den Münchner Philharmoniker die Solo-Posaune. Und 13 Jahre lang kämpfte sie auch um ihre gleichberechtigte Existenz als Musikerin in diesem Orchester. Nachdem sie endlich die gleiche Bezahlung erstritten hatte, ging sie 1992 als Professorin für Posaune an die Hochschule für Musik in Trossingen.

 

Mad Soprano Poster 2.JPEG

Frauen in der Oper

Während "Street Scene", verkörpert die Sopranistin verschiedene klassische Frauenrollen der Opernliteratur, von denen keine ein Happy End hat... 

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Lucia, Lucia di Lammermoor (Donizetti).

Ich wollte ihn nie heiraten. Es war immer Edgar, den ich liebte.  Aber ich habe es für meine Familie getan.  Mein Bruder sagte mir, es sei das Beste.  Ich hatte eigentlich keine andere Wahl. Aber als Edgar zurückkam, als ich sein Gesicht sah, konnte ich es nicht mehr ertragen. Also traf ich meine eigene Wahl. Wie könnte ich meinen Edgar heiraten, wenn Bucklaw noch lebte? Sie sagten, ich sei verrückt. Vielleicht war ich es. Aber sie haben mich dazu getrieben.

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Mimì, La bohème (Puccini).

Mein Name war Lucia, aber man hat mich immer Mimì genannt. Ich war nichts Besonderes, ich lebte ruhig in meiner Dachkammer. Ich habe schöne Blumen aus Seide gebastelt, Lilien und Rosen… Die waren die Farbe in meinem Leben. Bis er kam. Ich dachte, sie würde wachsen, unsere Liebe, sie würde Wurzel schlagen, prächtig und stark. Aber es hat nicht sollen sein. Wir waren zu schwach. Er misstraute mir… und ich hatte keine Kraft mehr.

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Brünnhilde, Der Ring des Nibelungen (Wagner).

Wie Sonne lauter strahlt mir sein Licht:
der Reinste war er, der mich verriet!
Die Gattin trügend, - treu dem Freunde, -
von der eignen Trauten - einzig ihm teuer -
schied er sich durch sein Schwert.
Echter als er schwur keiner Eide;
treuer als er hielt keiner Verträge;
lautrer als er liebte kein andrer:
und doch, alle Eide, alle Verträge,
die treueste Liebe trog keiner wie er!

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Arianna, L'Arianna (Monteverdi).

Ich war Prinzessin. Ich durfte nicht einfach rausgehen. Ich habe wenig von der Welt gekannt, außerhalb vom Palast. Als er kam, schien das alles nichts zu sein. Ich wurde verzaubert. Ich wollte ihm alles geben. Ich habe ihm alles gegeben. Ich habe meine Familie verraten, meine Heimat verlassen. Für ihn. Dann hat er mich verlassen. Allein in einem fremden Land. Ich wollte mich umbringen, das einfach beenden.  Aber die Götter hatten einen anderen Plan. Ich wurde einfach weitergegeben. Mir wurde die Unsterblichkeit geschenkt. Jetzt weiß jeder von meiner Demütigung.  Auch du. 

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Desdemona, Otello (Verdi).

Früher tat mir Barbara leid. Ich hatte Mitleid mit ihr, wenn die anderen sich über sie lustig machten. Vielleicht wusste ich schon, was mit mir passieren würde. Vielleicht war mein Schicksal bereits entschieden. Er war am Anfang nicht so. Er war glänzend, schön. Ich fühlte mich besonders, von ihm ausgewählt worden zu sein. Ich fühlte mich sicher, beschützt. Ich hätte die Zeichen sehen sollen, aber ich habe ihm vertraut. Ich dachte, er vertraut mir. Aber ich habe mich getäuscht.